Prof. Dr. Sinis in der ZDF-Sendung Frontal 21

In einem aktuellen Bericht von Frontal 21 wird ein Betrugsfall untersucht, bei dem über 250 Frauen zwei angeblichen Heilpraktikerinnen in die Hände fielen. Beide haben verbotenerweise an Nasen und Lippen mit Hyaluron experimentiert, was in vielen Fällen zu körperlichen Schäden bei den Patientinnen geführt hat.

 

Kosmetiker dürfen nicht spritzen

 

In Deutschland ist es Kosmetikern nicht erlaubt, Unterspritzungen vorzunehmen. Um diese Leistung anbieten zu können, muss man eine abgeschlossene Heilpraktiker-Ausbildung vorweisen. In dem Betrugsfall wurde diese Qualifikation allerdings nur vorgetäuscht, was schwere Konsequenzen nach sich zog.

 

Die konkrete Gefahr besteht darin, dass durch Unwissenheit über die körperlichen Mechanismen und Funktionen sowie durch das damit verbundene fehlerhafte Vorgehen schwere Schäden entstehen können. In dem Bericht von Frontal 21 kommen Patientinnen mit mangelhaft durchgeführten Hyaluron-Unterspritzungen zu Wort.

 

Körperliche Risiken durch unqualifizierte Behandlungen

 

Nach der Operation mussten sie beispielsweise feststellen, dass bei dem Eingriff die Nebenäste eines Blutgefäßes getroffen wurden. Das wiederum führte dazu, dass Verformungen entstanden und die entsprechende Körperstelle abstarb. Solche Fehler lassen sich nur mit großem plastischen Aufwand wieder korrigieren. Sollte bei einem Eingriff statt eines Nebenastes ein Hauptast des Blutgefäßes getroffen werden, sind die Konsequenzen sogar noch gravierender für die Patientin.

  

Hyaluron ohne Spritze?

 

Eine Hyaluron-Behandlung, die ohne eine entsprechende Fachausbildung funktioniert, verspricht der sogenannte Hyaluron-Pen. Er „schießt“ die Hylauronsäure ohne Einsatz einer Nadel mit über 800 km/h unter die Haut. Die „fachliche Vorbereitung“, die es dafür braucht, kann sich jeder Kosmetiker in einem dreistündigen Kurs aneignen.

 

Im Gespräch zwischen Prof. Dr. Sinis und der Frontal 21-Reporterin warnt der Chirurg ausdrücklich vor dieser Art der Hyaluron-Behandlung, da die Risiken kaum überschaubar sind. Vor einem solchen Eingriff sollte sich der Patient die wichtige Frage stellen, ob ein kurzes Seminar für einen medizinischen Eingriff in empfindlichen Körperregionen wie dem Gesicht wohl ausreichend ist.

 

Social Media: Immer an der Oberfläche

 

In dem Bericht wird auch die Rolle der Sozialen Medien kritisch beleuchtet. Gerade bei jungen Mädchen nehmen die Influencer von Instagram und Co. eine wichtige Vorbildrolle ein. Doch ob mit oder ohne Social Media – der Wunsch nach körperlicher Veränderung sollte immer in der angemessen Tiefe behandelt werden. Im direkten Gespräch müssen Patienten deshalb stets die Qualifikationen und Kompetenzen der behandelnden Person hinterfragen. Falls Sie diesbezüglich keine zufrieden stellenden Antworten bekommen, sollten Sie Ihren nächsten Schritt noch einmal überdenken.

 

Den ganzen Bericht können Sie noch bis zum Mai 2020 in der Mediathek des ZDF ansehen. https://www.zdf.de/politik/frontal-21/frontal-21-vom-14-mai-2019-100.html