Bereits vor rund 3000 Jahren legten sich Menschen unters Messer. Das belegen zum Beispiel ägyptische Mumien, denen schon zu Lebzeiten die Ohren angenäht worden waren. In Indien entwickelte man um 400 v. Chr. notgedrungen Maßnahmen zur Nasenrekonstruktion. Damals war es üblich, mutmaßliche Verbrecher durch das Abschneiden von Nase, Ohren oder Lippen zu bestrafen. Mit einem aus der Stirnhaut gebildeten Schwenklappen wurde ein Nasenersatz geformt.

Auch in Europa, in dem sich solche und ähnliche plastisch-chirurgische Eingriffe mit dem Ende des Mittelalters zu verbreiten begannen, wurden plastische Maßnahmen meist aus der Not heraus (weiter-)entwickelt. So rekonstruierte man etwa durch Syphilis eingefallene Nasen durch Haut aus dem Oberarm.

Einen echten Durchbruch stellte für die plastische Chirurgie jedoch die Entwicklung der modernen Narkose dar. Mitte des 19. Jahrhunderts führten unter anderem die Zahnärzte Horace Wells und William Morton Lachgas, Äther und Chloroform als Anästhetikum in die Medizin ein. Und auch das Gebot der Hygiene bei der Arbeit mit offenen Wunden verbreitete sich.

Von den medizinischen Fortschritten profitierte etwa der Berliner Chirurg Johann Friedrich Dieffenbach. Er widmete sich zum Beispiel der Korrektur von Gaumenspalten und Klumpfüßen. Dafür wurde ihm im Volksmund ein Denkmal gesetzt: „Wer kennt nicht Doktor Dieffenbach, den Doktor der Doktoren, er schneidet Arm und Beine ab, macht neue Nas‘ und Ohren.“ Als Begründer der modernen Plastischen Chirurgie gilt jedoch ein anderer: Der Berliner Arzt Jaques Joseph begann professionell Operationen durchzuführen, für die nicht unbedingt eine medizinische Notwendigkeit vorlag.

So befreite er heimlich einen Jungen, der sich nicht mehr in die Schule traute, von seinen Segelohren. Und wurde daraufhin vom Leiter der Universitätspoliklinik entlassen. Joseph gründete eine eigene Praxis und widmete sich dort vor allem der plastischen Neuformung von Nasen. Der Chirurg entwickelte dafür eigene Instrumente und Operationsmethoden und wurde zu einem der bekanntesten Schönheitschirurgen der Welt. Das konnte jedoch nichts daran ändern, dass der jüdische Arzt 1933 seine Kassenzulassung verlor und 1934 fast unbeachtet an einem Herzinfarkt verstarb. Er ist in Weißensee beigesetzt.